
Konstanz Obere Augustinergasse: Ein Hinterhofquartier Und Sein Historisch-Bauhistorisches Umfeld - Hardcover
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Availability:In StockSeries:Forschungen Und Berichte Zur Arch?ologie In Baden-W?rttembergTheme:Chronological Period/Medieval (500-1453) StudiesPublish date:10/29/2020Pages:376
Languages:GermanPublisher:Dr Ludwig Reichert VerlagISBN-13:9783954904792ISBN-10:3954904799UPC:9783954904792Book Category:History, Social ScienceBook Subcategory:Europe, Archaeology, AnthropologyBook Topic:Medieval, Cultural & SocialSize:11.91 x 8.41 x 1.01 inchesWeight:1.78Product ID:SCG95XSFD6
Nach dem 2018 erschienenen Band über die Konstanzer Marktstätte (Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg Bd. 5) hat die Aufarbeitung einer zweiten gro en Konstanzer Grabung ihren Abschluss gefunden. Im Hinterhofbereich der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung in der Stadt, der Hussenstra e, wurden 1986-1987 gro flächige Untersuchungen durchgeführt. An deren Auswertung waren zahlreiche Fachleute verschiedenster Wissenschaftsdisziplinen beteiligt. In einem breit gespannten interdisziplinären Ansatz erfolgt, ausgehend von der Einbettung des Quartiers in städtebaulicher, bauhistorischer und historischer Hinsicht durch Frank Mienhardt, Frank Löbbecke und Hilde Bibby die Auswertung der Befunde durch Ralph Röber. Vorgelegt wird darüber hinaus Fundmaterial aus Leder, Glas, Keramik und Metall durch Dorothee Ade, Jori Fesser, Andrea Nölke, Ralph Röber sowie Serge und Marquita Volken. Naturwissenschaftliche Untersuchungen von Ralf-Jürgen Priloff und Edith Schmidt zu den Tierknochen und Überresten von Insekten erlauben Rückschlüsse auf die Ernährung der Bewohner, sowie den Pflanzenbewuchs und die hygienischen Verhältnisse in diesem Areal.
Die ältesten Funde, darunter eine Zwiebelknopffibel, stammen aus römischer Zeit, sind allerdings verlagert. Trotz unmittelbarer Nähe zur frühmittelalterlichen Kirche St. Paul erfolgte eine Aufsiedlung erst ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Noch um 1300 war die Stra enfront nicht durch Häuser geschlossen. Es entwickelte sich in dieser verkehrsgünstigen Lage ein sozial gehobenes Quartier, was sich im archäologischen Material unter anderem durch die Reste von Schutzbewaffnung, kostbaren Gläsern und Gefä en für die Destillation äu ert. Aber auch die Einfuhr von Heidelbeeren, vielleicht auch Pfirsichen, Mandeln und Maulbeeren, bis zu Luxusgütern wie Feigen und Granatäpfeln zeigen die finanziellen Möglichkeiten der Bewohner. Im Rahmen einer allgemeinen Blüte der Stadt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verlangte der Bebauungsdruck die Anlage von Hinterhäusern. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts, in einer Zeit der religiösen und politischen Krisen, aber auch von Hungersnot und Pest, ist ein Stillstand zu beobachten, der erst im 15. Jahrhundert überwunden wird. Die Hinterhöfe der Wohnhäuser wurden multifunktional genutzt: Als Zier- und Nutzgärten, zur Haltung von Kleinvieh, vielleicht auch zur Aufstallung von Pferden und, wie es damals üblich war, zur Errichtung von Latrinen. Nicht nur diese, sondern auch Misthaufen, modernde Hölzer und offen zutage liegende Lebensmittelreste haben ein hohes Infektionsrisiko bedeutet, und es lie sich ein Befall der Bewohner durch verschiedene Parasiten nachweisen.
Die ältesten Funde, darunter eine Zwiebelknopffibel, stammen aus römischer Zeit, sind allerdings verlagert. Trotz unmittelbarer Nähe zur frühmittelalterlichen Kirche St. Paul erfolgte eine Aufsiedlung erst ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Noch um 1300 war die Stra enfront nicht durch Häuser geschlossen. Es entwickelte sich in dieser verkehrsgünstigen Lage ein sozial gehobenes Quartier, was sich im archäologischen Material unter anderem durch die Reste von Schutzbewaffnung, kostbaren Gläsern und Gefä en für die Destillation äu ert. Aber auch die Einfuhr von Heidelbeeren, vielleicht auch Pfirsichen, Mandeln und Maulbeeren, bis zu Luxusgütern wie Feigen und Granatäpfeln zeigen die finanziellen Möglichkeiten der Bewohner. Im Rahmen einer allgemeinen Blüte der Stadt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verlangte der Bebauungsdruck die Anlage von Hinterhäusern. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts, in einer Zeit der religiösen und politischen Krisen, aber auch von Hungersnot und Pest, ist ein Stillstand zu beobachten, der erst im 15. Jahrhundert überwunden wird. Die Hinterhöfe der Wohnhäuser wurden multifunktional genutzt: Als Zier- und Nutzgärten, zur Haltung von Kleinvieh, vielleicht auch zur Aufstallung von Pferden und, wie es damals üblich war, zur Errichtung von Latrinen. Nicht nur diese, sondern auch Misthaufen, modernde Hölzer und offen zutage liegende Lebensmittelreste haben ein hohes Infektionsrisiko bedeutet, und es lie sich ein Befall der Bewohner durch verschiedene Parasiten nachweisen.
Languages:GermanPublisher:Dr Ludwig Reichert VerlagISBN-13:9783954904792ISBN-10:3954904799UPC:9783954904792Book Category:History, Social ScienceBook Subcategory:Europe, Archaeology, AnthropologyBook Topic:Medieval, Cultural & SocialSize:11.91 x 8.41 x 1.01 inchesWeight:1.78Product ID:SCG95XSFD6
Prof. Dr. Ralph Röber, Promotion 1987 an der Westfälischen-Wilhelms-Universität, Münster. Nach mehrjähriger Tätigkeit am Westfälischen Museum für Archäologie - Fachreferat Mittelalter Wechsel als Konservator für Mittelalter und Frühe Neuzeit an das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg. Von 2000-2012 als Leiter der Arbeitsstelle Konstanz in Teilzeit abgeordnet an das Landesamt für Denkmalpflege. Seit 1994 Lehrtätigkeit an den Universitäten Konstanz und Tübingen, dort 2005 zum Honorarprofessor ernannt. Initiator und Leiter des seit 1997 bestehenden Arbeitskreises zur archäologischen Erforschung des mittelalterlichen Handwerks, von 2005-2017 Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Zahlreiche Publikationen besonders zu Fragen der Sachkultur, des Handwerks und der Stadtgeschichte.
Publisher: Dr Ludwig Reichert Verlag
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